Der Equal Pay Day

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Der Equal Pay Day

Bitte mehr fordern.

Am 18. März war es wieder soweit. Ich sah diesen Tag aus 2erlei Blickwinkeln.

Das erste Auge sieht die generell schlecht bezahlten Jobs in typischen Frauenberufen.

Das zweite Auge wirft einen Blick auf die Frauen, die weniger verdienen, als ihre männlichen Kollegen und die sich als Soloselbstständige unterbezahlt verkaufen (müssen?).

Das ist ein springender Punkt: Wie gehen Frauen in das „Sich-Selbst-Verkaufen-Gespräch“?
Wie gut sind sie vorbereitet?

Die Opferhaltung ist erschreckend:
„Die haben mich ganz schön runtergehandelt…“
„Da war wirklich nicht mehr drin. Die zahlen generell nicht so viel. Ich bin ja noch in der Probezeit…“
„Für mich als Anfängerin ist das schon viel…“

Erstes Beispiel

Eine Angestellte ist seit 20 Jahren in einem niedersächsischen Unternehmen tätig. Sie hat es geschafft, sich eine übertarifliche Zahlung von 20 % zu sichern. Jetzt gab es, wie in jedem Jahr, eine Tariferhöhung von 2,5 %. Nicht für sie. Sie erhält jetzt nur noch 17,5 % über Tarif.

Finde den Fehler!

Nicht nur, dass der Chef die vereinbarte übertarifliche Bezahlung einfach gekürzt hat, ist erschreckend, sondern auch das Verhalten der Angestellten: Sie nimmt es einfach hin. „Da geht jetzt wohl nicht mehr.“

Was ist das denn? Und nächstes Jahr geht das Gehalt bei einer erneuten Verhandlung noch weiter runter?

Zweites Beispiel

Ein Vorstellungstag eines großen Pharmaunternehmens. Weibliche Bewerberinnen und männliche Bewerber tummeln sich in einem Hotel.
Jede Person durchläuft unterschiedliche Stationen mit unterschiedlichen Gesprächspartnern und Aufgaben.  Die sich bewerbenden Personen werden von oben bis unten getestet. 
Am Ende des Tages, wenn die Konzentration der Bewerbenden auf das Niveau einer Milchkuh gesunken ist, kommt der wichtigste Part: Die Personalabteilung. 
Hier geht es um das Thema Geld & Co.

Der fuchsige Personaler startet mit einem, wie er sagt, üblichen Gehalt für neue Referenten.
Dies beträgt 3000 € (Anmerkung dies ist lediglich eine Beispielzahl).
Dann folgt eine Aufzählung von „üblichen“ ADD ONs: Firmenwagen, auch zur privaten Nutzung, Urlaubstage, zusätzliche Ausgleichstage für Wochenendarbeit und so weiter.
CAVE: Dies sind alles Dinge, die JEDE sich bewerbende Person erhält. Gleichzeitig ist es ein geschickter Schachzug, da es sich ja nach sehr viel anhört.
Wenn Berufsunerfahrene dies hören, dann denken sie: Toll, wau, will ich, nehme ich.

Zurück zum Gespräch in der Personalabteilung: 
Irgendwann geht es darum, was die Bewerbenden zu Gehalt & Co. sagen.

Und hier trennt sich jetzt die Spreu vom Weizen:

  • Die Bewerbenden mit dem Hintergedanken„Ich will den Job unbedingt, ich brauche den Job unbedingt, ich kann nicht verhandeln.“ sagen jetzt schnell JA. Thema erledigt. Aus die Maus. Geld verschenkt.
  • Die Bewerbenden mit dem Hintergedanken“Ich will den Job nicht um jeden Preis“, fangen nun an zu verhandeln. Und erzählen nur von sich. Wenn sie Glück haben, erhalten sie noch einen Obolus dazu.
  • Die Bewerbenden, die grundsätzlich mit MEHR kalkulieren sind vorbereitet. Sie kennen die Schwierigkeiten der Branche, des Berufes und führen dies mit einem lösungsorientierten Ansatz auf. Sie wissen, mit welchen Einwänden bzgl. ihres geforderten Gehaltes sie rechnen müssen. Sie sind selbstbewusst und stehen voll und ganz hinter ihrem Können.
    Sie haben sich in allen Abteilungen des Vorstellungsgespräches gut verkauft und im Vorfeld die Gehälter recherchiert: Was ist in der Branche üblich? Ab wann ist jemand Seniorreferent, und welches Gehalt ist dann möglich? Was bietet das Unternehmen darüber hinaus noch? Wie sieht es mit Fortbildungen und Aufstiegschancen aus?


Diese Bewerbenden sind ganz klar in der eigenen Sprache. Sie fragen nicht im Konjunktiv, was noch möglich wäre, sondern sie haben genaue Vorstellungen und diese fordern sie ein. 
Sie stellen klar, welche Vorteile das Unternehmen von den eigenen Erfahrungen in der Branche hat. 
Denn: Genau so hartnäckig werden diese Personen auch bei der zukünftigen Kundschaft verhandeln.

Ein Personalverantwortlicher sagte anschließend: „Ich würde ja mehr zahlen, aber wenn sich die Frauen so schlecht verkaufen.“ Aua. Das hat gesessen.

Also: SOP – HOP
Soft opeople – hard opoint.

Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach? Denken Sie das? Also lieber bis zum 18. März umsonst arbeiten?

Liebe Frauen,  habt den Mut, euren „Preis“ zu fordern und zu verhandeln. Geld zu verschenken ist mehr als schade. 
Und denkt daran: Mehr Geld ist eine Wertschätzung eurer Person, eurer Ausbildung, eurer Erfahrung und und und …

Hier fällt mir die Verkaufsstrategie einer Gründerin ein:  „Ich stelle mir vor, ich habe Geld. Dann fühle ich mich selbstbewusster und trete ganz anders in Verhandlungen auf.“

Wie sieht Ihre Verkaufsstrategie aus?

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Sich-Verkaufen aus Leidenschaft.

Ihre Susanne Henneke

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Susanne Henneke | Bremen | 0163 26 66 254 |
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